Jeder Mensch erlebt im Laufe seines Lebens emotionale Krisen oder psychische Belastungssituationen. Unter günstigen Bedingungen können solche Herausforderungen ohne langfristige Folgen bewältigt werden. Psychische Gesundheit wird daher als Kontinuum verstanden, das von stabiler psychischer Gesundheit bis hin zu psychischen Störungen reicht. Menschen bewegen sich im Laufe ihres Lebens an unterschiedlichen Punkten entlang dieses Kontinuums.
Psychische Gesundheit zeigt sich unter anderem in emotionaler Stabilität, Leistungsfähigkeit und positiven sozialen Beziehungen. Sie ermöglicht es, Anforderungen in Ausbildung, Studium, Beruf und Alltag zu bewältigen sowie aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Krisen und Belastungen können jedoch auch zu anhaltenden sozialen oder beruflichen Schwierigkeiten führen und die Inanspruchnahme psychosozialer oder psychiatrischer Unterstützung erforderlich machen. In solchen Fällen kann eine psychische Erkrankung vorliegen, die das Denken, Fühlen, Verhalten und die Fähigkeit beeinträchtigt, den Alltag zu bewältigen oder Beziehungen zu gestalten.
Manche Menschen erleben nur eine einzelne Episode, andere mehrere Krankheitsphasen mit stabilen Zeiten dazwischen. Nur ein kleiner Teil der Betroffenen ist dauerhaft beeinträchtigt.
Dennoch gehören psychische Erkrankungen zu den häufigsten Gesundheitsproblemen in der Bevölkerung und können jeden treffen. Jährlich ist etwa ein Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung betroffen. Viele Erkrankungen beginnen bereits im Jugendalter, besonders häufig treten Angststörungen und Depressionen auf. Insgesamt ist die Häufigkeit psychischer Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten relativ konstant geblieben. Zugenommen haben vor allem Demenzerkrankungen aufgrund der steigenden Lebenserwartung sowie psychische Gesundheitsprobleme bei jungen Erwachsenen im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Krisen.
Psychische Erkrankungen können die Lebensqualität erheblich einschränken und sind mit einem erhöhten Suizidrisiko verbunden. Sie sind kein Ausdruck von Willensschwäche, sondern entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren.
Dennoch erhält nur etwa die Hälfte der Betroffenen professionelle Hilfe. Gründe hierfür sind unter anderem Stigmatisierung und Diskriminierung. Viele Menschen zögern aus Angst vor Vorurteilen, Unterstützung in Anspruch zu nehmen, was eine Chronifizierung der Erkrankung und weitere Erkrankungsfolgen begünstigen kann.
Aufklärung und Anti-Stigma-Arbeit tragen dazu bei, Vorurteile abzubauen und das Tabu psychischer Erkrankungen zu überwinden. Auch in Mecklenburg-Vorpommern setzen sich verschiedene Initiativen wie die Anti-Stigma-Kampagne M-V dafür ein, Stigmatisierung entgegenzuwirken.
Im Folgenden finden Sie den Versuch, einige besonders häufige psychische Gesundheitsprobleme in einer Übersicht darzustellen.













