Erklärungen zu Fachbegriffen, die im Psychiatrie-Wegweiser verwendet werden.
Glossar
A
Sucht: Der Konsum eines Stoffes (z. B. Alkohol, Medikamente, Drogen) oder ein Verhalten (z. B. Glücksspiel, Mediennutzung) ist nicht mehr kontrollierbar und wird trotz schädlicher Folgen fortgesetzt.
Die letzte Phase einer medizinischen Suchtrehabilitation: In einer Adaptionseinrichtung üben Sie, selbstständig zu wohnen und wieder Arbeit zu finden.
Die Lebensphase des Übergangs vom Jugend- ins Erwachsenenalter, etwa zwischen 16 und 25 Jahren. Angebote für Adoleszente richten sich an junge Menschen in dieser Phase.
Hilfe oder Behandlung, ohne dort zu übernachten: Sie kommen zu Terminen in eine Praxis oder Beratungsstelle, oder Fachkräfte kommen zu Ihnen nach Hause. Sie leben weiter in Ihrer gewohnten Umgebung.
Sie leben in Ihrer eigenen Wohnung oder in einer Wohngemeinschaft und werden regelmäßig von Fachkräften unterstützt, zum Beispiel bei der Haushaltsführung, bei Behördenangelegenheiten oder in Krisen. Meist ist es eine Leistung der Eingliederungshilfe.
Psychiatrisch qualifizierte Pflegekräfte besuchen Sie zu Hause und unterstützen Sie dabei, den Alltag und die Erkrankung zu bewältigen. Sie wird ärztlich verordnet und von der Krankenkasse bezahlt.
Ängste, die ohne echte Gefahr auftreten, sehr stark sind oder lange anhalten und den Alltag einschränken, etwa Panikattacken oder Phobien.
Die Fachkräfte kommen zu Ihnen – nach Hause oder an einen vereinbarten Ort –, statt dass Sie in eine Einrichtung kommen müssen.
B
Wohnangebot, in dem Sie leben und rund um die Uhr betreut werden, etwa ein Wohnheim oder eine therapeutische Wohngemeinschaft. „Besondere Wohnform“ ist seit 2020 die Bezeichnung für frühere stationäre Wohneinrichtungen der Eingliederungshilfe.
Wechsel zwischen Phasen gedrückter Stimmung (Depression) und Phasen mit stark gehobener oder gereizter Stimmung und übermäßigem Antrieb (Manie).
Eine Persönlichkeitsstörung mit starken Gefühlsschwankungen, instabilen Beziehungen und impulsivem Verhalten, oft verbunden mit großer innerer Anspannung.
D
Nachlassen von Gedächtnis, Denken und Orientierung, das den Alltag zunehmend einschränkt. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Krankheit.
Eine häufige psychische Erkrankung mit anhaltend gedrückter Stimmung, Interessen- und Antriebsverlust, oft auch Schlafstörungen und Grübeln. Sie ist gut behandelbar.
E
Leistungen für Menschen mit einer (drohenden) wesentlichen Behinderung – auch infolge einer psychischen Erkrankung –, damit sie gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilhaben können, etwa beim Wohnen, bei der Tagesgestaltung oder bei der Arbeit. Grundlage ist das Neunte Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX); zuständig ist in der Regel der Landkreis bzw. die kreisfreie Stadt.
Die körperliche Entwöhnung von Alkohol, Medikamenten oder Drogen unter ärztlicher Aufsicht, meist im Krankenhaus. Eine qualifizierte Entzugsbehandlung bietet zusätzlich Gespräche und bereitet auf weitere Hilfen vor.
Therapie, die Fähigkeiten für Alltag, Arbeit und Freizeit fördert – etwa Konzentration, Ausdauer, handwerkliche oder lebenspraktische Fertigkeiten. Die Arbeitstherapie ist eine Form davon mit dem Schwerpunkt auf arbeitsnahen Tätigkeiten.
Gestörtes Essverhalten, zum Beispiel Magersucht (Anorexie), Ess-Brech-Sucht (Bulimie) oder wiederkehrende Essanfälle (Binge-Eating).
Steht für „Experienced Involvement“, die Einbeziehung von Erfahrenen: Menschen mit eigener Erfahrung psychischer Krisen lassen sich qualifizieren und unterstützen als Genesungsbegleiterinnen und Genesungsbegleiter andere Betroffene.
G
Fachgebiet für psychische Erkrankungen im höheren Lebensalter, zum Beispiel Demenz oder Depression im Alter.
I
Unterstützt Menschen mit Behinderungen – auch seelischen –, einen Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden und zu behalten, und berät Arbeitgeber.
K
Fachgebiet und Kliniken für die Behandlung psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen, in der Regel bis zum 18. Geburtstag.
Ergänzend zur medizinischen Behandlung: Hilfen zum Wohnen, zur Tagesgestaltung, zur Arbeit und zur Freizeit für Menschen mit psychischen Erkrankungen.
Ein offener Treffpunkt ohne Anmeldung: Menschen mit psychischen Erkrankungen können dort andere treffen, an Gruppen- und Freizeitangeboten teilnehmen und Rat bekommen.
Schnelle, kurzfristige Hilfe in einer akuten seelischen Krise. Bei Lebensgefahr wählen Sie bitte sofort den Notruf 112.
N
Unterstützung nach einer Behandlung, zum Beispiel nach einem Klinikaufenthalt oder einer Suchttherapie, damit der Übergang in den Alltag gelingt und Rückfällen vorgebeugt wird.
Leicht zugänglich: ohne Anmeldung, Antrag oder Überweisung, oft kostenlos und auf Wunsch anonym.
P
Unterstützung durch Menschen, die selbst ähnliche Erfahrungen gemacht haben (englisch „peer“: Gleichgestellte), etwa Psychiatrie-Erfahrene oder Angehörige.
Tief verwurzelte, dauerhafte Muster im Erleben und Verhalten, die deutlich vom Üblichen abweichen und zu Leid oder Schwierigkeiten im Alltag und in Beziehungen führen.
Mögliche Folge eines extrem belastenden Erlebnisses: Betroffene erleben das Trauma immer wieder, etwa in Albträumen, meiden Erinnerungen und sind dauerhaft angespannt.
Vorbeugung: Angebote, die psychischen Erkrankungen oder Sucht vorbeugen oder helfen, sie früh zu erkennen – zum Beispiel Aufklärung, Kurse oder Beratung.
Menschen, die selbst eine psychische Krise oder Erkrankung erlebt und psychiatrische Hilfe in Anspruch genommen haben.
Eine Ambulanz an einer psychiatrischen Klinik für Menschen, die wegen der Art, Schwere oder Dauer ihrer Erkrankung eine Behandlung durch ein Team aus Ärztinnen und Ärzten, Psychologie, Pflege und Sozialarbeit brauchen – ohne Aufnahme ins Krankenhaus.
Ein Zustand, in dem das Erleben der Wirklichkeit verändert ist, etwa durch Wahn, Halluzinationen oder Denkstörungen. Die Schizophrenie ist eine Form der Psychose.
Befasst sich mit den Wechselwirkungen zwischen Körper und Seele: körperliche Beschwerden, an deren Entstehung seelische Belastungen beteiligt sind, und deren Behandlung.
Beratung und Begleitung bei seelischen und sozialen Problemen, etwa in Krisen, bei Konflikten oder Überforderung und bei Fragen zu Hilfen und Ansprüchen.
Behandlung psychischer Erkrankungen mit Gesprächen und anderen psychologischen Methoden durch ärztliche oder psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Einen Termin für ein Erstgespräch (Sprechstunde) vermittelt auch die Terminservicestelle unter 116 117.
R
Maßnahmen, die nach oder bei einer Erkrankung helfen, wieder im Alltag und im Beruf zurechtzukommen. Bei psychischen Erkrankungen und Sucht gibt es ambulante und stationäre Rehabilitation; Kostenträger sind meist die Rentenversicherung oder die Krankenkasse.
Rehabilitationseinrichtung für psychisch kranke Menschen: Sie verbindet medizinische und berufliche Rehabilitation für Menschen, die nach einer schweren psychischen Erkrankung wieder ins Arbeitsleben finden möchten.
S
Menschen mit ähnlichen Erfahrungen – Betroffene oder Angehörige – treffen sich regelmäßig, tauschen sich aus und unterstützen sich gegenseitig, ohne professionelle Leitung.
Sozialgesetzbuch – die Gesetze über Sozialleistungen. Für den Psychiatrie-Wegweiser wichtig sind vor allem das SGB V (Krankenversicherung, z. B. Behandlung), das SGB IX (Rehabilitation und Teilhabe, z. B. Eingliederungshilfe), das SGB XII (Sozialhilfe) und das SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfe).
Ein Dienst des Gesundheitsamts im Landkreis bzw. in der kreisfreien Stadt. Er berät und unterstützt Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihre Angehörigen kostenlos, macht auch Hausbesuche und hilft in Krisen.
Eine ärztlich verordnete Leistung der Krankenkasse für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Soziotherapeutinnen und Soziotherapeuten helfen, Behandlungen wahrzunehmen, Termine einzuhalten und den Alltag zu organisieren.
Sie wohnen in einer Einrichtung oder werden dort rund um die Uhr behandelt bzw. betreut, zum Beispiel in einer Klinik, einer Rehabilitationseinrichtung oder einer besonderen Wohnform.
Eine Beratungsstelle für Menschen mit Problemen durch Alkohol, Medikamente, Drogen, Glücksspiel oder Mediennutzung sowie für ihre Angehörigen. Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym; sie vermittelt auch in Entgiftung, Therapie und Nachsorge.
T
Ein Krankenhaus behandelt Sie tagsüber, meist werktags von morgens bis nachmittags; die Nacht und das Wochenende verbringen Sie zu Hause. Die Behandlung ist ähnlich intensiv wie im Krankenhaus, ohne dass Sie dort übernachten.
Eine Einrichtung, die Menschen mit psychischen Erkrankungen werktags einen festen Tagesablauf bietet: gemeinsame Aktivitäten, Beschäftigung und Kontakte. Abends und am Wochenende sind die Besucherinnen und Besucher zu Hause.
Ein verlässlicher Tagesablauf mit festen Zeiten und Aufgaben. Angebote zur Tagesstruktur helfen, wieder Halt und Rhythmus im Alltag zu finden.
Die gleichberechtigte Beteiligung am Leben in der Gesellschaft – beim Wohnen, bei Arbeit und Bildung, in der Freizeit und in sozialen Beziehungen. Leistungen zur Teilhabe sind im SGB IX geregelt.
Sie verbringen einen Teil des Tages in einer Einrichtung, meist werktags tagsüber, und sind abends und am Wochenende zu Hause. Beispiele sind Tageskliniken und Tagesstätten.
W
Eine Einrichtung zur Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen, die wegen einer Behinderung – auch einer seelischen – (noch) nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten können. Sie bietet Arbeitsplätze, berufliche Bildung und Begleitung.
Z
Stundenweise bezahlte Arbeit mit geringer Belastung für Menschen, die (noch) nicht voll arbeiten können – ohne den Leistungsdruck des allgemeinen Arbeitsmarkts.
Wiederkehrende, als quälend erlebte Gedanken oder Handlungen – zum Beispiel ständiges Kontrollieren oder Waschen –, gegen die sich Betroffene kaum wehren können.
